‚ay mate, see ya‘

Eine Landschaft in der Clint Eastwood Banditen vom Pferd schießen würde und Lokations die an die Anfangsszene von „Zwei Glorreiche Halunken“ am Zugsteig erinnern, war ich heute im Namen von Liebherr unterwegs. So zumbeispiel beim Tanken, abseits der Autobahn. 

Eine kleine Tankstelle mit Werkstattdienst – Der Platz ist uneben, die Reifen wirbeln Staub auf, die Steinchen knuspern durch meinen bremsenden Ute. Ein leichtes quietschen der bremsen. Stillstand. Die Autotür geht auf, ich steige aus. Die noch intensive Sonne scheint auf meine Haut und ins Gesicht, ich trage eine Sonnenbrille. Der Temperaturunterschied ist deutlich spürbar im Vergleich zum Innenraum des Amarok. Eine leichte Briese schubst die nach Wasser dürstenden Blumen in einem alten Kübel, der neben einer noch älteren Würfeleistruhe steht. Die roten Letter „ICE“ auf hellblauen Grund waren schon ausgeblichen und die Farbe ganz spröde. Ich greife zur Zapfpistole – Diesel – langsam öffne ich den Tankdeckel und positioniere die Pistole im Stützen. Ich lasse den Hebel einrasten, eine doppelkolbenpumpe befüllt gleichmäßig schlagend den Wagen mit dem Kraftstoff. Der Tankwart sitzt in seinem kleinen vergitterten Häuschen, ist am Telefonieren. Die Tür steht offen, aber man versteht ihn nicht. Der Herzschlag und das Surren der Pumpe erfüllt die Umgebung. Ein Stück Papier tanzt im Wind und bleibt am Werkstattwagen hängen. Ein alter Geländewagen. Staubig wie er ist, steht er mitten auf dem Platz, jeder Zeit bereit für einen „Notfall“. Sein Fahrer steht ebenfalls in der kleinen Hütte und schaut sich die Auslagen an. Er ist wesentlich jünger als der alte Tankwart. Die Zapfsäule rasselt leise die Zahlen rauf. Klack. Der Zapfhahn schaltet ab und unterbricht den Herzschlag der Pumpe. Es ist ruhig. Ich hänge die Pistole ein und es wird noch ruhiger, denn das Surren verstummte auch. Ich drehe den Tankdeckel auf den Stutzen. Langsam gehe ich zum Häuschen. Auch hier knusperte der Schotter bei jedem Schritt unter meinen Füßen. „ay mate…“ der Jüngere Mechaniker guckt mich an, seine Augen erinnerten tatsächlich an die von Terrence Hill, so hellblau und intensiv. Er beginnt das Gespräch indem er mich auf meine Firma anspricht. Der Tankwart telefoniert immer noch. Seine dunkel gebrannte alte Haut glänzte im Gesicht, durch die Hitze, die auch deutlich im Häuschen zu spüren ist. Er tippt ein paar Dinge ein und vordert mich auf die Karte durch das Lesegerät zu ziehen. Der Mechaniker stellt weiter fragen, man sieht ihm an, das nicht all zu oft sich jemand dort hin verirrt. Ich beantworte ihm seine Fragen. Der Tankwart, nun mit dem Telefonat abgeschlossen, fragt mich nach der Kilometerleistung. Ich ziehe aus einer meiner Taschen eine Visitenkarte hervor und drehe sie mit der hastig geschriebenen Notiz zu ihm. Er tippt die Zahlenfolgen ab, im Hintergrund springt ein kühlkompressor eines Getränkekühlschrank an und surrt leise vor sich hin. Der Alte Mann bedankt sich bei mir. Auf meinem Weg nach draußen, vorbei am Getränkekühlschrank, verabschieden sich beide mit „See ya'“, ich erwiedere  dies mit dem selbigen Gruß. Ich steige ein, die Tür fällt in die Verriegelung mit einem rums. Ich starte den Motor, lege den Gang ein und entferne mich mit leicht, Haftung suchenden Reifen. Ein wenig Staub wird aufgewirbelt. Stille herrsch nun wieder auf dem Platz.

Das war jetzt vielleicht etwas in die Länge gezogen, aber genauso habe ich die Situation wahrgenommen… Sehr intensiv und prägend, da es aus dem Standard herausfällt. Wer das alles gelesen hat und sich gefragt hat wo jetzt endlich der Überfall anfängt, sollte die (gefühlte) erste halbe Stunde von „Zwei Gloreiche Halunken“ ansehen wo minutenlang das quietschen eines Windrades „beschrieben“ wird.

4 Gedanken zu “‚ay mate, see ya‘

  1. Dario, du kannst wunderbar schreiben und die Leser in deine neue Welt mitnehmen.
    Ich bin total begeistert über deinen Schreibstil und wie gut du einen Bezug zu den Filmen schilderst, in denen die Landschaft ähnlich ist und die Menschen ebenso verloren irgendwo im Nirgendwo leben.
    Das ist eine Gabe, die nur wenige Menschen haben:
    Die Menschen auch zum Nachdenken bringen, wie unterschiedlich zu uns die Menschen in Australien leben.

    Macht richtig Spaß, mit dir Land und Leute kennenzulernen….:-))))))))))))

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